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Von Schnüfflern, Neidern und einer Ehefrau mit viel Sinn für Realismus...

  • Writer: Bob_bloggt
    Bob_bloggt
  • Apr 12, 2022
  • 4 min read



Es ist schon immer wieder faszinierend, wie schnell die Zeit vergeht. Wieder ist ein Jahr um, man hat Geburtstag, es ist Weihnachten, Ostern steht vor der Tür. Wir schreiben nun also 2022 und die Welt wird immer moderner, vernetzter, manchmal auch schneller.


Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass der Ein oder Andere den Anschluss an diese Welt zu verlieren scheint. Das beste Beispiel dafür ist dieser, mein, Blog! Nur kurz als Erklärung, der Name "Blog" ist eigentlich nur die Abkürzung von "WebLog" und bedeutet nichts anderes als... Internet-Tagebuch. Wie war das noch gleich? Ein Tagebuch ist ein Buch, in dem man persönliche Erfahrungen, Sichtweisen oder Erfahrungen beschreibt. Also aus der Ich-Perspektive, rein subjektiv. Dieser Blog ist kein wissenschaftliches Journal, keine Kolumne einer Zeitung, kein fachspezifisches Buch. Der Blog, das bin ich und mein Leben. Nicht mehr, nicht weniger.


Es ist noch nicht lange her, da wurde ich von einem nicht ganz so modernen Menschen gefragt, warum man sich so wichtig nehmen müsse. Also quasi ich und mein Blog, so war es gemeint. Über solch eine Aussage muss ich leider schmunzeln. Denn wichtig nehme nicht ich mich selbst, sondern diese Person tut es in diesem Moment und zwar völlig übermäßig. Keine Frage, dieser Blog ist offen im Internet zu lesen, rein theoretisch könnte er von Millionen Menschen angesehen werden aber bleiben wir doch lieber realistisch und bauschen die Dinge nicht unnötig auf. Meine Leserschaft beschränkt sich auf einen überschaubaren Kreis, da ich weder eine Berühmtheit, noch eine anderweitig wichtige Person des öffentlichen Lebens bin. Ehrlich betrachtet ist der Schaden, den ich mit Äußerungen überhaupt anrichten könnte ziemlich überschaubar. Sollte ich nun also steif und fest behaupten, der Himmel sei grün und nicht blau, wird das vermutlich keine öffentliche Debatte über eine Verschwörung der Regierung auslösen.


Witzigerweise sehen andere Menschen das nicht so und heben die Reichweite meines Handelns auf die Stufe der Tagesschau. Da wird jeder Satz analysiert, spekuliert warum ich nun das schreibe und jenes aber nicht. Und jedes einzelne Mal wird vergessen, dass es nicht um die Anderen geht, sondern um mich und mein Leben. Wen es interessiert, der ist herzlich eingeladen zu lesen. Wen nicht, der kann aufgrund unserer gesellschaftlichen Freiheit einfach etwas anderes tun. Briefmarken sammeln zum Beispiel, oder Grashüpfer züchten.


Und dennoch kommt ein sehr treffender und die Realität beschreibender Spruch meiner Frau hier genau recht: Irgend etwas muss man an sich haben, dass einen interessant für andere macht. Denn obwohl ihnen nicht gefällt was sie lesen, tun sie es dennoch. Laufen dann abends Furchen um das Feuer des Scheiterhaufens, auf dem sich mich gerne hätten und ärgern sich. Über mich. Oder doch über sich selbst? Die ganze Welt? Egal. Lass mal wieder sehen was der Bob so bloggt. Ist bestimmt wieder was worüber man sich aufregen kann...


Natürlich nutze ich wie viele andere Menschen auch Social Media. Also Facebook und Instagram. Das tun inzwischen übrigens Milliarden anderer Menschen ebenso. Alles Wichtigtuer, Prolls und Idioten? Wieder ist es das Verständnis, das manchen Leuten einfach fehlt. Meist aus Ignoranz oder überholter Wertevorstellungen. Jedes veröffentlichte Bild wird chirurgisch auseinander genommen und analysiert. Warum zeigt er dies, warum sieht man das. Wie kann es sein, dass er schon wieder im Urlaub ist, wenn ich selbst nur zuhause in der Garage hause. Warum geht er mit seiner Familie essen und ich sitze hier mit meinen Resten von gestern. Und warum zur Hölle macht er davon auch noch Bilder und zeigt sie offen im Internet? Ich will doch gar nicht sehen, wie er glücklich am Strand von Malibu hopst, Hawaii entdeckt oder sich den Hummer schmecken lässt. Aber wegschauen kann ich auch nicht, so ein Mist. Aber vielleicht entdecke ich ja etwas Verbotenes und kann ihm daraus zumindest einen Strick drehen, das hat er jetzt davon!


Oder ärgert man sich eigentlich eher über sich selbst, weil man eventuell die Prioritäten anders gesetzt hat und sich nicht traut, den eigenen Lebensstil zumindest kurz zu überdenken. Genau an diesem Punkt kommt übrigens die Intoleranz ins Spiel. Warum macht dieser Bob jetzt einen teuren Urlaub und ich mache das nicht, weil ich ja auf das Haus in Wanne-Eickel spare. Er muss gefälligst auch auf ein Haus sparen, weil nur das richtig ist. Vollkommen egal, was er für die Zukunft geplant oder wie er möglicherweise anderweitig vorgesorgt hat. Ich mache das so, also ist das richtig. Und weil ich niemals ein Bild auf Facebook zeigen würde, er aber schon, ist natürlich auch das ein Fehler ersten Grades und kann nur als selten dumm bezeichnet werden.


Spontan kommt mir nun der Song "Lasse redn" der Ärzte in den Sinn, die genau diese Gesellschaft der Neider beschreibt, die wir Deutschen nun mal sind. Auch mal gönnen können heißt die Devise. Wenn es im Horrorfilm zu gruselig wird, schaut man ja auch weg. Aber im Internet? Nichts da, immer feste drauf und schön verurteilen. Hintergründe kennen? Wird vollkommen überbewertet. Bei Unklarheiten einfach mal fragen? Na hallo, das wäre ja zu einfach. Egal was sich jemand gönnt oder warum, in Ordnung ist es keinesfalls. Wir reden immer von Meinungsfreiheit, Vielfalt und den Möglichkeiten die wir haben, gestehen uns aber nichts davon tatsächlich zu.


Ich werde mein Leben nicht ändern, nur weil es anderen Menschen nicht in den Kram passt. Zum Glück habe ich meine Frau, die mich mit viel Realismus und einer gehörigen Portion "Leck mich am Arsch" immer wieder daran erinnert, dass man niemanden gefallen muss. Recht hat sie!


Euer Bob!



 
 
 

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