
Da sitze ich also nun wieder vor meiner Tastatur und tippe. Ich versuche, meine Gedanken zu ordnen, zu verarbeiten, was die letzten Wochen wie ein Tsunami an Gefühlen und Erlebnissen über meine Frau, meinen Sohn und mich hereingebrochen ist. Es ist nun schon einige Tage her, dass meine Liebste von ihrer eindrucksschweren Reise aus Deutschland zurückgekehrt ist und gemeinsam bemühen wir uns, in den Alltag zu finden.
Doch letztlich drehen sich alle Gedanken, alle Gespräche um die Mama meiner Frau, ihr Schicksal, die Krankheit und der unausweichlichen Folge, auf die wir uns alle einstellen müssen. Und jetzt stand auch noch mein Geburtstag an. Versteht mich nicht falsch, eigentlich feiere ich gerne Geburtstag. Aber jetzt? Darüber hinaus hatten meine Frau und ich schon lange einen kleinen Trip nach Alaska geplant, ein wenig ausspannen, ein bisschen Wellness. Uns konnte nicht klar sein, wie wichtig das jetzt auf einmal werden sollte.
Obwohl dies kein Gute-Laune-Party-Urlaub war, fühlten wir uns auf dem Hinflug nicht wohl. Erst am nächsten Tag konnten wir ein ganz klein wenig abschalten, auch wenn uns auch hier natürlich die Geschehnisse begleiteten. An meinem eigentlichen Geburtstag dann merkte plötzlich auch ich, wie schön es bei all dem Leid ist, eine große Familie wieder zurück gewonnen zu haben, dank der Reise meiner Frau. Denn nun dachten Menschen an mich, gratulierten mir, die das vorher nicht getan hatten. Ja, das fühlte sich gut an und das soll bitte immer so bleiben. Das Hotel inmitten des Waldes, der Blick über die schneebedeckten Gletscher, das weite Land. All das half zumindest ein klein wenig.
Damit sich niemand mehr dazwischen drängen und unsere Gedanken mit falschen Tatsachen vergiften kann haben sich alle beteiligten angewöhnt, sich ausnahmslos über alles auszutauschen, sei es noch so unwichtig. Wie nötig das ist, sollte wir schon mehrfach feststellen. Denn offenkundig hatte sich die Deutschlandreise meiner Frau zu ihrer todkranken Mutter herumgesprochen in Kreisen, die diesen Umstand offenbar zu ihrem eigenen Vorteil und die Umsetzung ihrer Interessen nutzen wollten. Es wurde Morgenluft gewittert und jeder Anstand und Pietät gepflegt zur Seite gestoßen. Auf allen Kanälen streckte dieser Schatten der Vergangenheit seine Arme nach unserer Familie aus.
Doch unserem Abwehrschirm entgeht nichts mehr, unsere Informationsketten müssen dichter geknüpft sein als jeder Orient-Teppich und an dieser Tatsache werden wir nichts mehr ändern. Zum Einen weil wir es genießen uns alle wieder zu haben, zum Anderen weil es offenbar wirklich notwendig zu sein scheint. Es ist mir nicht begreiflich, wie diese schwere Zeit und Situation Menschen dazu motiviert, mit aller Macht zu versuchen, einen Platz zu behaupten, den es für sie schon lange nicht mehr gibt und auch nicht mehr geben wird.
Freunde kann man sich aussuchen, die Familie nicht. So heißt es. Das mag manchmal anstrengend sein, aber am Ende des Tages sind diese Menschen da. Egal wie weit weg, wie lange nicht gesehen.
Diese Erfahrung gepaart mit dem Mut und der Unterstützung durch meine Frau hat mich dazu ermutigt, auch meine eigene Mama anzurufen, zu der ich länger schon keinen Kontakt mehr habe. Ich wurde am Telefon mit offenen Armen empfangen und diese Erfahrung zeigt mir, meine Frau ist den einen Weg gegangen. Nicht den Leichten, sondern den Richtigen.
Der Lohn ist eine komplette Familie voller Liebe, Verständnis und Zusammenhalt und die Gewissheit, am Ende des Tages ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel sehen zu können.
We are family!
Euer Bob!
P.S. Schon Forrest Gump wusste, Dumm ist der, der Dummes tut. Schreib dich nicht ab, hör auf, Dummes zu tun. Und ich liebe meine Frau. Sehr sogar!
Commentaires